Erziehungsratgeber für Hunde

Eine gute Kinderstube: Das A und O

Die Erziehung Ihres neuen Familienmitglieds ist vermutlich die wichtigste Aufgabe überhaupt, der Sie sich speziell in den ersten Wochen des Zusammenlebens widmen müssen.

Speziell die Erziehung des Hundes verlangt von Ihnen größte Aufmerksamkeit, denn der kleine Vierbeiner nimmt alle Erfahrungen, egal ob positiv oder negativ, auf und vergisst so gut wie nichts.

Optimal als Bezugsperson Nummer eins für den jungen Hund ist ein erwachsener Mensch, der viel Zeit zusammen mit dem Welpen verbringen kann. Wenn der Welpe gerade in der Entwicklungsphase viel allein gelassen wird, schadet es dem kleinen Rabauken mehr, als man vermutet.

Nehmen wir an, Sie bekommen Ihren Neuzugang im Alter von acht Wochen. Die ersten vier Wochen des gemeinsamen Zusammenseins – Hundealter acht bis zwölf Wochen – sollten vor allem ein gemeinsames „Ich lerne meine Welt kennen“ bedeuten.  Sie nehmen den Welpen möglichst überall mit hin. Treppensteigen ist noch nicht so klasse, Sie tragen ihn also, setzen ihn ab und achten darauf, dass er Ihnen folgt. Dadurch lernt er Sie als Chef bzw. „Rudelführer“ zu akzeptieren.

Ohne seine leibliche Mutter und seine Geschwister braucht der Welpe in den ersten Wochen ein Gefühl der Sicherheit.

Er kann bereits einfache Befehle wie „Sitz“ oder „Platz“ erlernen.
Sein Selbstbewusstsein wird gestärkt, er fühlt sich sicherer, wenn er merkt, dass Sie sich freuen, wenn er, der Welpe,  auf Zuruf zu Ihnen kommt. Stellen Sie sicher, dass er Umgang mit anderen Hunden hat. Sie können zudem eine sogenannte „Welpen-Spielstunde“ besuchen. Kontakte sind über Ihren Tierarzt oder die örtlichen Hundeschule bzw. Hundetrainer möglich.

Stubenrein

Zum Ende des dritten Lebensmonats sollte die „Sauberkeitserziehung“ – Stubenreinheit – abgeschlossen sein. Dabei führen Sie Ihren Hund regelmäßig, alle zwei bis drei Stunden, nach draußen und loben ihn kräftig, wenn er sein(e) Geschäfte an den von Ihnen auserkorenen Plätzen verrichtet. Wenn ein Unfall passiert, ignorieren! Nach draußen führen und loben, wenn er wieder den richtigen Ort gewählt hat.

Ihr junger Hund wird vor allem bis zum vierten Lebensmonat geprägt. Die Erfahrungen, positiv wie negativ, die er in dieser Zeit macht, sind für seine Persönlichkeitsentwicklung entscheidend. Sie sind der entscheidende Faktor, ob er zutraulich, mutig und lernwillig ist oder aber scheu, aggressiv und eigensinnig. Eine große Verantwortung!
Beachten Sie bitte zwei grundsätzliche Regeln: Streicheln Sie Ihren Welpen nie, wenn er Angst hat, und loben Sie ihn immer, wenn er mutig ist. Ein kleines Beispiel: Ihr kleiner Rabauke traut sich nicht an einen unbekannten Gegenstand heran, etwa einen gelben Ball – kein Problem. Sie lassen ihn, wo er ist, gehen selbst auf den Ball zu, nehmen den Ball auf und behandeln ihn wie eine Kostbarkeit und fordern Ihren Hund auf zu Ihnen zu kommen. Wenn Ihr Hund den Ball mindestens mit der Nase berührt, besser noch anfängt damit zu spielen, wird er gelobt – nicht schon beim Anschleichen!

Die Grundkommandos – Sitz, Platz, Bleib und Komm

Bestechung durch ein Leckerli kann bei der Erziehung eines Welpen Wunder wirken, sagt man. Das stimmt, es gibt aber auch andere sogenannte Konditionierungshilfsmittel: Sie werden in guten Erziehungsbüchern etwas vom sogenannten „Clicker-Training“ lesen: Im Prinzip verbindet der Hund mit dem Ton, der durch das Drücken des Clickers ausgelöst wird eine positive Belohnung: Lob, Streicheln oder ein Leckerli.

Er muss aber nach Erlernen nicht immer gefüttert oder gestreichelt werden, sondern der Ton des Clickers reicht vollkommen.
Also die positive Bestätigung ist die richtige Methode und nicht das Bestrafen. Oh Wunder, oh Wunder, hier gilt das gleiche wie bei der Kindererziehung. Am besten verankert sich das Gelernte durch konsequentes und wiederholendes Einüben. Daher ist es von großer Bedeutung, dass alle Familienmitglieder bzw. Bezugspersonen des Tieres in den Lernzielen und der Methodik übereinstimmen. Ansonsten stiftet es beim Hund Verwirrung und er weiß nicht mehr, wie er es dem Herrchen recht machen kann.

Wie macht er denn nun am besten „Sitz“?  Halten Sie ihm einen kleinen Leckerbissen vor die Nase und sagen: Sitz! Dann heben Sie das Leckerli ein Stück höher und halten es über seinen (Hinter)Kopf.
Ihr Hund lässt das Leckerli nicht aus den Augen, der Kopf neigt sich nach hinten und sein Allerwertester senkt sich ganz automatisch auf den Boden. Geben Sie Ihm die Belohnung, wenn er sitzt, und loben Sie ihn dann.
Bei „Platz“: Leckerli vor die Nase halten, dann Hand auf den Boden und die Belohnung nach hinten wegziehen, sodass der Kleine sich fast legt, um die Belohnung zu „verfolgen“. Eventuell drücken Sie ihn ganz leicht und vorsichtig nach unten. Dabei sagen sie immer „Platz“. Anschließend wieder kräftig loben!

Bleib“ funktioniert analog, entweder aus der Position „Sitz“ oder „Platz“.

Sie können dazu immer ein charakteristisches Handsignal einüben – die Profis sprechen von der sogenannten „Kommunikation durch Körpersprache“. Dadurch können Sie sich später mit Ihrem Hund ohne „verbale“ Kommandos verständigen. Zum Beispiel heben Sie den Zeigefinger für „Sitz“, senken den Zeigefinger für „Platz“, zeigen dem Hund die Handfläche bei „Bleib“ und winken ihn zu sich bei „Komm“.